Ihre Blicke waren Schritte.
(Herta Müller)
Wir orientieren uns an den Interessen und Intentionen der Situationistischen Internationalen: Ihr Aufruf zur revolutionären Umgestaltung der Welt meint keinen einzigen und gewaltsamen Umsturz, sondern eine beständige Änderung des Alltagslebens und den Versuch, die Verbindung zwischen dem Menschen und seiner städtischen Umgebung zu rehabilitieren. Diese angestrebte Veränderung beginnt für die Situationistische Internationale im Gehen, bei jenem scheinbar ziellosen Umherschweifen durch die Städte.
Sous les pavés, la plage.
Die Straßen winkten mir immer verführerischer.
(Siegfried Kracauer)
Are you ready to go for a walk?
Das Gehen ermöglicht das Erkunden des räumlichen Umfelds, das Ertasten der Oberflächen von Asphalt, Mauern und Häusern, das unmittelbare Erspüren von Witterungsbedingungen und vom Wechsel der Tageszeiten. Per pedes wird der Ort durchquert, angeeignet, verändert – im Verweilen und in Eile, in Nähe und Ferne.
Gehen bedeutet, den Ort zu verfehlen.
(Michel de Certeau)
Machen wir einen kleinen Umweg?
Flaneur = Nomade der Großstadt
Das Spiel der Schritte
Ich bekomme immer misstrauische Blicke ab, wenn ich versuche, zwischen den Geschäftigen zu flanieren. Ich glaube, man hält mich für einen Taschendieb.
(Franz Hessel)
Geschichten beginnen also -Schritt für Schritt- im Gehen.
Ein Mann schiebt mit seinem Schuh die Schnipsel eines Zettels zusammen, die eine handschuhlose Hand gleichgültig zerrissen hat.
(Louis Aragon)
Wer geht, begibt sich hinaus, in den Raum der Erfahrungen und Enttäuschungen, der Begegnungen, der Zu- und Unfälle, der Chancen.
Wagen wir also den nächsten Schritt!
Gehen bedeutet Wandlung – denn am Ende kommt alles anders. Und immer kommt etwas dazwischen!
Blickwispern erfüllte die Straßen, die Stadt.
(Walter Benjamin)
Ich beschloß dem Fremden zu folgen, wohin er auch gehen mochte.
(Edgar Allan Poe)
Der Gehende, der die Abdrücke erzeugt hat, ist bereits verschwunden, hat den Ort schon verlassen. Seinen Fuß vom Boden gehoben, strebt er dem Neuen entgegen, das jenseits des Horizonts liegt.
Im Vorübergehen
Spuren
You make the city alive by the way, you engage with it, you use it and how you look at it.
(Hanif Kureishi)
Ich gehe, als wüsste ich wohin.
Wie rasch sie auch vorüber schritt, noch einmal schaute sie zurück.
(Charles Baudelaire)